"Die Communitiy ist gefragt!" - unter diesem Motto gehen seit längerem vermehrt sogenannte Crowdsourcing-aktionen ins Netz.
Unternehmen überlassen das Kreieren neuer Produktsorten oder zukünftiger Verpackungsdesigns der Masse. Die Intension dahinter ist klar:
Es soll ein massentaugliches Produkt herauskommen, welches maßgeblich von der Community, die quasi für die Schnittmenge aller Geschmäcker steht, entwickelt worden ist. Es wird also nicht mehr nur herkömmlich "outgesourct", sondern ganz im Sinne des Social Web "gecrowdsourced".
Das sowas auch nach hinten los gehen kann, beweist die aktuellste Aktion von Pril. Die anfänglich tolle Idee, ein neues Design für die Spülmittelflasche zu finden, endete in einem wahrlichen Debakel. Der sonnig blaue Himmel, den die Aktion anfangs versprach, wurde nach und nach mit dunklen Gewitterwolken durchzogen, die zu ihrem Höhepunkt einen Sturm der Entrüstung zur Folge hatten: einen Kritiksturm.
Was war passiert? Seit dem 31. März suchte Pril unter dem Motto "Mein Pril - Mein Stil" ein neues Design für seine Spülmittelflaschen. Kreative konnten via Designgenerator Vorschläge einreichen. Diese standen dann vom 01. bis 15. Mai zum Voting bereit. Aus den Top-Votes würde dann die Jury den Gewinner küren, hieß es.
Mit der Votingphase begann sich dann auch schon eine erster Kritiksturm zusammenzubrauen. Fans machten Pril darauf aufmerksam, dass die bisherig Führenden unnatürlich viele Votes haben. Zudem gab es Kritik an den Reaktionszeiten von Pril. Fans hatten schon gleich zu Beginn der Votingphase Bedenken geäußert und auf die Gefahr von Fake-Votings, die im Netz üblich seien, hingewiesen. All diese Bedenken und Hinweise blieben von Pril unkommentiert. Letztlich reagierte Pril und bereinigte die abgegeben von den manipulierte Votes, ohne jedoch detailliert auf die Gründe und Vorgehensweisen einzugehen. Viele Fans und vor allem Teilnehmer begrüßten anfänglich diesen Schritt, bedeutete er doch, dass ehrliche Mitstreiter gewinnen würden. Die positive Stimmung schlug dann schnell ins Gegenteil um, denn auch diese ehrlichen Mitstreiter beklagten sich nach und nach über den Abzug von hart erarbeiteten Stimmen.
Der Kritiksturm nahm seinen Lauf und erreichte seinen Höhepunkt als am 19. Mai die Gewinner bekanntgegeben wurden. Allein dieser Post verzeichnete auf Facebook sage und schreibe 885 Kommentare, von denen "Nicht die beste Wahl" oder "Och nö, oder?" noch die freundlichsten waren. Das letzlich unter den von der Jury gekürten Gewinnern zwei relativ seriöse Vorschläge gewonnen haben, hat dabei sicher vorwiegend Pril selbst gefallen.
Es scheinen vor allem Voting-Aktionen zu sein die für Kritikstürme anfällig sind oder die zumindest Ausgänge herbeiführen, die man vorher so gar nicht vermutet hätte. Ein älteres Beispiel ist dabei die Suche von rtv nach seinem Titelgirl. Es sollte über das zukünfite Covergirl abgestimmt werden. Dabei gewann 2006 Katja", die uns als eines der ersten Beispiele für die Wirkung von solchen Aktionen in Erinnerung blieb.
Crowdsourcing: Welche Regeln gilt es zu beachten?
Crowdsourcing: erfolgreiche KampagnenWieder andere Crowsourcing-Aktionen entpuppen sich hingegen als erfolgreiche Marketingcoups. Man schaue nur auf RITTER SPORT, wo dieses Jahr die fertige und von der Community kreierte Blog-Schokolade entstand.
Oder auf die Aktion "Mein Burger" von McDonalds, wo aus 70 Zutaten in 5 Wochen 115.000 Burger von Fans kreiert worden sind. Der auserkorene Gewinner-burger erscheint demnächst deutsch-landweit in allen Filialen. Die Aktion war so erfolgreich, dass momentan selbige in Österreich läuft.
Auch wenn Crowdsouring-Aktionen einen negativen Beigeschmack haben können, so sind sie doch ein gutes Marketingmittel. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass sowohl Lob als auch Kritik nahe beieinanderliegen und durch die Schnelllebigkeit des Netzes auch schnell und vor allem weltweit verbreitetet werden. Ein gut geführter Dialog kann dabei Gold wert sein, denn wer würde es nicht übel nehmen, wenn man Fragen oder Anmerkungen hat, die unbeantwortet bleiben?!
2 Kommentare (Linear | Verschachtelt)
Thomas sagte um 16:34
Juliane sagte um 17:43